KULTURZENTRUM AM NEUMARKT
KRESS & ADAMS | SCHNEIDER+SENDELBACH


Südöstlich des Neumarkts baute das Braunschweiger Büro Schneider+Sendelbach Architektengesellschaft mbH für die Stadt Köln ein Museumszentrum im Kulturquartier am Neumarkt, dessen Geschlossenheit sich aus dem museal geforderten Verzicht auf Tageslicht ergibt. In den öffentlichen Bereichen wird die Massivität durch zwei gläserne Fugen, die ­den Innenraum mit natürlichem Licht speisen und ein Spannungsfeld aus Licht und Schatten erzeugen, aufgebrochen. Mit dem Kunstlichtkonzept des Kölner Ateliers für Tages- und Kunstlichtplanung KRESS & ADAMS wurde eine adäquate Interpretation entwickelt, die das Museumsquartier auch bei Dunkelheit sinnlich erlebbar macht.

Vom städtebaulichen Kontext hatten sich die Architekten bei ihrem Entwurf leiten lassen, der 1996 als erster Preisträger aus einem offenen, zweiphasigen Realisierungswett­be­werb hervorging. »Die gewählte Gestalt des neuen Museums zur Cäcilienstraße ist in der Gesamtgliederung des Baukörpers, in Ausdruck und Proportion der Fassade gut ­gelöst. Aus der Gliederung in drei unterschiedliche, gut proportionierte Köpfe resultiert eine wahrnehmbare Kraft, das Museum mit Würde und Ausstrahlung im Stadtbild ­zu präsentieren und bis zum Neumarkt wirken zu lassen«, befand die Jury unter Vorsitz von Meinhard­ von Gerkan (aus wettbewerbe aktuell, 3/1997).

Im April 2006 kam es zum Baubeginn des Museumskomplexes, dessen langgestreckte Nord-Süd-Ausrichtung sich an dem benachbarten Gebäude der Volkshochschule im Westen orientiert, während die kompakte Bau­weise die Verdichtung der gegenüberliegenden Straßenseite aufnimmt. Die Höhenlage der Eingangsebene wurde durch das im Osten benachbarte Museum Schnütgen, das europaweit die bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher und nachmittelalterlicher Kunst präsentiert, vorgegeben.

Nebem dem Rautenstrauch-Joest-­Mu­se­um vereint der Neubau weitere kultu­rel­le Institutionen quasi unter einem Dach. Die adverbiale Einschränkung trägt der Tat­­sache Rechnung, dass es sich um eigen­ständige ­kubische Baukörper für spezifische Nutzungen handelt, die erst durch zwei glä­serne, ­90 Meter lange und gebäudehohe Fugen zu einer Einheit verschmelzen. Die ­Fugen bilden Zwischenzonen mit Übergängen, welche die drei linearen, an der Nordfassade von Ost nach West geschichteten Baukörper horizon­tal verbinden. Die große Fuge öffnet den Eingang in den Gebäudekomplex und bildet gemeinsam mit dem offen gestalteten Ein­gangsgeschoss des schmalen­ Verwaltungsriegels im Osten das Foyer, wel­ches sich in den zweigeschossigen Luftraum­ ausdehnt, der in einem Teilbereich des mitt­leren Rie­­gels als querachsige Verbindung beider Fu­gen ausgebildet ist. Dort findet der histo­rische ­Reis­speicher, dessen Außenhaut durch bodenintegrierte Leuchten inszeniert wird, einen zentralen Ausstellungsort. Dem Besucher­ weist er das Entrée in den mittleren Gebäude­riegel, der das bedeutende Rautenstrauch-Joest-Museum aufnimmt.

Dramaturgischer Hell-Dunkel-Kontrast.
In den Fugenräumen bauen die Architekten ­im Spiel mit den Gegensätzen von Masse­ ­und Leichtigkeit, Geschlossenheit und Trans­pa­renz sowie helleren und dunkleren Raum­bereichen Spannung auf. »Anders als die mas­sive und geschlossene Bauweise der ­Aus­stellungsbereiche, die sich mit Ausnahme eines­ sogenannten Schaufensters gänzlich fenster­los zeigen, sind die Fugenräume mit ihrer transparenten Dachhaut von Tageslicht durch­drungen und schaffen damit einen dramaturgischen Hell-Dunkel-Kontrast,« er­läu­tert Projektleiter Jörn Ostermeyer das Konzept. »Auch der homogene, leicht wirkende Werkstoff Glas, der für die Innenfassade des Verwaltungstraktes und die Aufzüge verwen­det wurde, erzeugt einen spannenden Kontrast zu den massiven Wandscheiben aus Wittmunder Klinker, der die Außenhaut der Baukörper bildet und folg­lich auch in den Fugenräumen des Museumskomplexes do­mi­niert. Jeder der torfgebrannten Steine hat eine individuelle Ober­flächenstruktur und ­Farbigkeit, die changierende Rot-­ und Blau­töne bis zu gelb-grünlich schimmernden Flächen umfasst. Durch Zurücksetzung der Fugen evozierten die Architekten eine besonders plastische Wahrnehmung des Klinkers, dem das Tageslicht eine ständig wechselnde Dramaturgie verleiht.«

Das Kunstlichtkonzept sollte das minimalistische Architekturkonzept, das ohne Besonderheiten auskommt und seine Wirkung allein aus dem Zusammenspiel von Licht, Form und Material generiert, stringent fortsetzen. »Die Leuchten reihen sich diszipliniert in die dekorlose, streng grafische Architektur. Wir haben ein Gestaltungsvokabular entwickelt, das die Formen und die Materialien in Bilder fasst und diese dem sinnlichen Erleben zugänglich macht«, erläutert Hannelore Kress-Adams, Atelier für Tages- und Kunstlichtplanung, ihr Konzept. Unterhalb der am Tage lichtdurchfluteten Glasdächer reflektieren bei Anbruch der Dämmerung und am Abend paarig angeordente, tief-breitstrahlende deckenintegrierte Wandfluter warmtoniges Licht auf die Boden-­ und Wandflächen, denen sie ein ausdrucksstarkes, gleichmäßiges Licht verleihen. »Die Raumbereiche in den einzelnen Ebenen wer­den durch das exponierte, gerichtete Licht auf signifikante Weise ablesbar und die überzeugende Materialität der Klinker führt zu einem visuellen Erlebnis«, fährt die Planerin im Detail fort. »Durch die proportionale Stimmigkeit des Lichtes und das große Volumen erfahren die Fugenräume, deren Vertikalität zudem durch das Licht präzisiert wird, eine visuelle Weitung.«

Der Glasaufzug im Foyer erfährt über schlanke Lichtlinien, die sich gleichermaßen als raumbildende Funktion für den gläsernen Aufzug erweisen, seine vertikale Betonung als Erschließungselement. Im Bistro-Bereich sorgt ein Sekundärteppich aus filigranen, symmetrisch geordneten Pendelleuchten für eine angenehme, intime Atmosphäre. Schlanke, lineare Profilpendelleuchten bilden eine räumliche Einheit mit den Theken, deren Ver­lauf sie angepasst sind, und projizieren adäquates Arbeitslicht auf die Thekenflächen. Ein flächig abstrahlendes Lichtdeckenelement mit Diffusormaterial, das bewusst ge­wählte, hohe Leuchtdichten aufweist, dominiert den Informationsblock und dient damit­ auch zur Orientierung für die Besucher. Geprägt durch eine hohe Lichtfülle stellen sich die Verkehrswege, wie Flure und Treppen­häuser, dar. Zur Betonung der abgesetzten Treppenläufe, mit denen die Architekten die verklinkerten Wän­de der schmaleren Fuge freistellten, und zugunsten der angestreben Detailminimierung wurden Linearleuchten gewählt, die den schwebenden Charakter der Deckenuntersichten des Treppenaufgangs verstärken. Die Leuchten bilden als horizontale Additivelemente eine dominante Grafik, die zur emotionalen Erfassung der Raumqualität beiträgt.

»Eine wesentliche Rolle spielt die Tatsache, dass der Museumsbau nur sparsam mit sichtbaren Leuchten und Leuchtenelemen­ten ausgestattet ist. Das Licht wird als immate­rielles Medium für Gestaltungszwecke ein­gesetzt, als Unterstützung zur gefühlsbetonten Wahrnehmung der Architektur und der Raum- und Materialqualitäten«, resumiert die Lichtplanerin. »So präsentiert sich beispielweise die Bibliothek im südlichen Teil des mittleren Baukörpers im Zusammenspiel mit den ästhetisch gewählten Innenausbauten in Räuchereiche in einem sehr sanften, eher feierlichen Licht, das dem ›Raum des Buches‹ angemessen ist. Erreicht wird diese Stimmung über zierliche, schlanke Niedervoltpendelleuchten, die eine räumliche Sekundärebene bilden.«

Zu dem Museumskomplex gehört auch ein neuer transluzenter Glaskörper, der den kraftbetonten Museumsneubau mit dem als Erweiterung des Museum Schnütgen 1965 errichteten, denkmalgeschützten »Band-Bau« verbindet. »Die Ausleuchtung der Glashaut erfolgt über lineare boden- und deckenintegrierte Sonderleuchten mit einer asymmetrisch ausgebildeten Lichttechnik,« erklärt Hannelore Kress-Adams. »Sowohl im unteren als auch im oberen Bereich des transluzenten Kubus wird diese Lichttechnik von dicht aneinander­gereihten satinierten Glasrohrleuchten ergänzt, um einen dynamisch wirkenden Lichtverlauf zu erzeugen. Die diffus hinterleuchteten Fassadenflächen des Verbindungsbaus konterkarieren die sanfte Anstrahlung der Cäcilienkirche im Innenhof. Es entsteht ein charmant inszenierter Außenraum, der zum Verweilen einlädt und dem Ort eine angemessene, eigene Identität verleiht.«

Das architektonische Ensemble wird durch das Lichtkonzept, das das neue Kultur­quartier am Abend unübersehbar macht und im Außenraum eine Fortsetzung findet, nach seinen gestalterischen Kriterien geordnet. Integrale Stufenleuchten in Sonderanfertigung präzisieren die großzügig angeleg­te Außentreppe. Dicht aneinandergereihte, schlanke Lichtstelen, die eine stringente Achse bilden, erhellen die Gebäudeschlucht zwischen dem Kulturquartier und der benachbarten Volkshochschule mit ihrem weit sichtbaren Eigenlicht. Die erzeugte Lichtqualität trägt zudem zu einem stärkeren Sicherheitsempfinden der Passanten bei.

»Konzeptionell entwickelt der Entwurf ­einen neuen Typus ›Museum‹ mit gestalterisch-architektonisch hochwertigen Qualitäten,« hatte die Jury des Wettbewerbs bei der Preisgerichtsbeurteilung verlauten lassen (aus wettbewerbe aktuell, ibid). Mit dem Kunst­lichtkonzept, das der Architektur wie selbstverständlich folgt und diese auf ambitionierte Weise mit der Funktion verknüpft, ist es dem Planungsatelier KRESS & ADAMS Atelier für Tages- und Kunstlichtplanung gelungen, jenen Qualitäten vollends gerecht zu werden.