WALDORF ASTORIA BERLIN
SCHLOTFELDT LICHT, HAMBURG
PROF. CHRISTOPH MÄCKLER ­ARCHITEKTEN,
FRANKFURT/MAIN

Auf 26 Geschossen bietet das Fünf-Sterne Superior Hotel Waldorf Astoria im Zoofenster Berlin in der heute so benannten City-West seinen Gästen 232 Deluxe-Zimmer und Suiten mit Ausblick. Während sich das Intérieur am legendären und glamourösen New Yorker Vorbild von 1931 orientiert, besinnt sich die Hülle nicht auf die vermeintlich gute, alte Zeit, sondern fügt sich mit dem Potential der Moderne als vielgestaltiges Hochhaus Ensemble in den Stadtraum. In das einst umtriebige Zooviertel, um das es nach der Abwanderung des Zentrums in den Stadtteil Mitte etwas einsam geworden war, setzte Architekt Christoph Mäckler einen groß dimensionierten Sockelbau dreieckiger Kubatur, aus dem, neben einem Gebäuderiegel mit 22 Etagen, ein 32-geschossiger Turm fast 119 Meter in die Höhe wächst.

Der Entwurf thematisiert die Schaffung städ­te­­baulicher Räume. Mit seinem Blockrand greift der in Sichtachse zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche errichtete Gebäudesockel die für Berlin typische Bauform des Häuser­blocks auf. In Höhe und Linienführung orientiert er sich an der sechsgeschossigen Bebauung der Umgebung und formuliert mit seiner eindeutigen Betonung der Raumkanten klare Straßenräume. Zu der verkehrsmäßig wichtigen Hardenbergstraße und zum Hardenbergplatz löst sich der Sockel in eine zweigeschossige Arkade auf, die sich den Passanten mit Gastronomieangeboten und Läden öffnet und das Gebäude mit dem Straßenraum verwebt.

Vor- und Rücksprünge in der Fassaden­ebene sowie feine Horizontal-Kannelierungen an der Sockelbaufassade verleihen dem Ensemble eine feine Konturierung und sorgen für Schattenwurf, der den Kalkstein, mit seinem per se materialstrukturbedingt dezenten Farbspiel, plastisch wirken lässt. Die Wahrnehmung dieser Fassaden-Plastizität verändert sich mit der Dynamik des Tageslichts.

Ein buchstäbliches Highlight ist das groß dimensionierte Zoofenster, das dem Ensemble seinen Namen gab. Dreiseitig erstreckt es sich über die obersten sieben Geschosse des Turmes und erlaubt weitschweifende Blicke auf den Zoologischen Garten, den Platz und über die Stadt. Das Zoofenster bietet einen von zahlreichen Sichtbezügen, die Christoph Mäckler aus dem Innenraum heraus zum Stadtraum geschaffen hat.

Das Waldorf Astoria empfängt seine Gäs­te mit einer Hoteleingangshalle, die den öffentlichen Straßenraum mit dem Gebäudeinneren verflechtet. Über die in der Tiefe des Sockelbaus liegende Lobby gelangt man zu einem lichtdurchfluteten, glasbedeckten Atrium, das dem Besucher den Blick auf die aufstrebende Turmfassade öffnet und ihn zu den höher ge­legenen Etagen mit Bar, Restaurant und Business Center lenkt. Gekrönt wird der viergeschossige Luftraum, der bis in die zweite Etage mit einer Wendeltreppe erschlossen wird, von fünf filigranen, zeitgemäß interpre­tierten Kronleuchtern in Durchmessern von 150 bis 500 cm. Mit ihren kreisrunden Formen­ nehmen die unterhalb des Glasdachs höhenversetzt gereihten Leuchten Bezug auf das Kreissegment, das den räumlichen Abschluss des Atriums bildet, sowie auf die Treppe, die­ sich als Spirale dem Himmel entgegen schraubt.

Die Idee für die Lichtskulptur lieferten die Pariser Agentur Inter Art Etudes und Schlotfeldt Licht. Trotz der geringen Aufbauhöhe spenden die mit LED bestückten und mit Satiné-Abdeckungen versehenen Ringleuchten, die nach unten und zu den Seiten strahlen, ein anspruchsvoll homogenes Licht und tragen gleichzeitig zur Erfüllung der Beleuchtungsanforderungen für öffentliche Bereiche bei.

Nach umfangreichen Tests im 1:1 Aufbau wurde jede Leuchte in zwei Teilen von Sankt Augustin nach Berlin transportiert und vor Ort zusammengefügt. Für die Montage der Leuch­ten, bei der RSL-Mitarbeiter unterstützend präsent waren, hatte Prof. Christoph Mäckler Architekten eine der Tragwerkform des Daches angepasste, trapezoide Aufhängung durch Zugseile entwickelt. Diese wurden punktuell am Attikarand des Atriums befestigt. Um den Eindruck frei schwebender Leuchten zu gewin­­nen, werden die Zugseile gemeinsam mit der Stromversorgung in filigranen Hülsen geführt.

Die zeitlosen Ringleuchten harmonieren­ mit dem ebenfalls von Inter Art Etudes konzi­-
pierten Interior Design, das sich als eine zeit­genössische Adaption des Art Deco präsentiert. Holz, flauschige Teppichböden und Tep­piche, Marmor, Naturstein, Leder, hochwertige Raumtextilien und erlesenes Mobiliar signalisieren, dass es sich hier um das Luxussegment der Hotellerie handelt. Ein Kronleuchter darf in einer solchen Kategorie keineswegs fehlen; insbesondere dann nicht, wenn es sich um die legendäre Marke Waldorf Astoria handelt.


FOTOGRAFIE: HG ESCH